Nebenwirkungen

Zum Glück sind belastende Nebenwirkungen einer Chemotherapie nicht so häufig, wie oft befürchtet wird. Bei vielen Therapien treten gar keine Nebenwirkungen auf. Falls doch, sind sie oft gut zu behandeln. Das Auftreten von Nebenwirkungen sagt nichts über die Wirksamkeit der Therapie aus, sie wird dadurch weder gefördert noch gehemmt, d. h. die Therapie kann auch dann gut wirksam sein, wenn sie gut vertragen wird und keine unerwünschten Wirkungen auftreten.

Übelkeit und Erbrechen
Im Zusammenhang mit einer Chemotherapie kann Übelkeit zu verschiedenen Zeiten auftreten. Da direkt vor der Therapie meistens Medikamente gegen Übelkeit injiziert und eingenommen werden, ist Übelkeit und Erbrechen während oder kurz nach der Chemotherapie heute relativ selten. Wenn die Wirkung nachlässt kann aber nach ca. 8-16 Stunden Übelkeit und Erbrechen auftreten. Gelegentlich kommt es zum sogenannten Späterbrechen zwischen dem dritten und siebenten Tag, manchmal auch, wenn vorher gar keine Beschwerden aufgetreten sind. Es ist daher sinnvoll, Medikamente gegen Übelkeit bei den ersten Therapiezyklen noch 3 - 5 Tage nach der Therapie einzunehmen.

Da die Empfindlichkeit bei jedem sehr unterschiedlich ist, muss auch die Dosis und das Intervall der Einnahme individuell angepasst sein. In jedem Falle sollte bereits bei dem leisesten Anzeichen von Übelkeit eine ausreichende Dosis eingenommen werden - viele Patienten bevorzugen dazu auch Zäpfchen. Wenn dieses in seltenen Fällen nicht reicht, bitten Sie ihren Hausarzt um eine Spritze und informieren Sie uns darüber, damit die Begleittherapie intensiviert werden kann. Bei manchen Patienten kann es bereits vor der Therapie zu Übelkeit kommen, manchmal schon vor Betreten der Praxis. In diesen Fällen sollten Medikamente gegen Übelkeit bereits am Morgen vor dem Frühstück eingenommen werden, oft ist ein leichtes Beruhigungsmittel am Abend vorher zusätzlich nützlich.

Folgende Medikamente werden am häufigsten eingesetzt:
  • Vergentan-Tabletten, alle vier bis sechs Stunden 1-2 Tbl.
  • MCP-Tropfen (Paspertin, Gastrosil etc.), alle vier bis sechs Stunden 20-40 Tropfen
  • Vomex A- oder Dimenhydrinat-Zäpfchen, alle sechs bis acht Stunden 1 Zäpfchen
  • Ondensatron-Tabletten (auch Zofran sublingual), alle acht bis zwölf Stunden 1-2 Tabletten
  • Granisetron-Tabletten, alle zwölf bis vierundzwanzig Stunden1 Tablette
  • Fortecortin-Tbl. (meist in Kombination mit anderen), alle 8 Std. 4 - 16 mg

Sie sollten nicht versuchen, aus Angst vor Nebenwirkungen an diesen Mitteln zu sparen. Diese Medikamente verursachen nur selten Nebenwirkungen, der Nutzen dieser Begleitmedikation ist fast immer höher als die Beschwerden durch Übelkeit und Erbrechen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, sollten Sie in jedem Falle anrufen. Übelkeit und Erbrechen nach einer Chemotherapie wird nicht vom Magen ausgelöst, sondern durch die Aktivierung des Brechzentrums im Gehirn. Erbrechen ist also auch noch möglich, wenn der Magen leer ist. Andererseits lässt sich Übelkeit in vielen Fällen durch Aufnahme leichter Nahrung oder Getränke unterdrücken. Apfelsaft, Tee, nicht zu heiße Brühe, Fruchteis oder Gelantinpudding, Apfelmus, Quark, Bananen und leichtes Gebäck sind oft sehr angenehm. Vermieden werden sollten besonders süße, fettige, salzige, stark gewürzte oder stark riechende Nahrungsmittel. Spazieren gehen in frischer Luft sowie Entspannungsübungen (Yoga, autogenes Training), Ablenkung durch Musik oder Gespräche tragen ebenfalls zu einem besseren Wohlbefinden bei.

Haarausfall
Haarausfall (Alopezie) tritt bei manchen Medikamenten gar nicht, bei anderen regelhaft auf. Bei vielen Medikamenten ist im Einzelfall nicht vorhersehbar, ob und wie stark die Haare ausfallen. Vorbeugende Maßnahmen, z. B. Eishauben sind in der Anwendung unsicher. In Einzelfällen können sie eine Verminderung des Haarausfalles bewirken. Die Anwendung ist relativ umständlich und mit zusätzlichen Kosten verbunden, deren Übernahme durch die Krankenkassen nicht immer gesichert ist. Wenn Sie hier weitere Informationen wünschen, oder eine Eishaube anwenden möchten, sprechen Sie bitte mit unserem Praxispersonal. Bis auf seltene Ausnahmen wachsen die Haare nach einem Ausfall wieder nach, sehr häufig noch während des weiteren Verlaufes der Chemotherapie. Länger anhaltend ist Alopezie nach einer Bestrahlung des Schädels, da hier die Haarwurzel stärker geschädigt werden.
Von den Krankenkassen wird die Anwendung einer Perücke bezuschusst. Hierdurch ist die Anschaffung einer Kunsthaarperücke möglich. Erfreulicherweise ist die Qualität dieser Perücken so gut, dass diese von Außenstehenden oft kaum erkannt werden. In jedem Falle sollte während einer Chemotherapie die Haarpflege so schonend wie möglich erfolgen, intensives Färben oder Sonnenbelastung, sowie eine Dauerwelle sollten nach Möglichkeit vermieden werden.

Blutbildveränderungen, andere Organe
Nach einer Chemotherapie werden durch Untersuchungen im Blut die Funktionen von Leber, Niere und blutbildendem Knochenmark überwacht. Insbesondere die Blutbildung im Knochenmark wird durch eine Chemotherapie in unterschiedlichem Maße beeinflusst. Deshalb soll etwa 10 Tage nach einer Chemotherapie eine Kontrolle des Blutbildes erfolgen. Diese wird in der Regel von Ihrem Onkologen oder Ihrem Hausarzt durchgeführt. Untersucht werden hierbei der rote Blutfarbstoff (Hb), die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und die Blutplättchen (Thrombozyten). Die Leukozyten sinken etwa 7 - 14 Tage nach der Chemotherapie auf einen relativ niedrigen Wert ab, um anschließend zum Beginn der neuen Therapie wieder auf normale Werte anzusteigen. Den Therapieerfolg kann man an den Ergebnissen des Blutbildes nicht ablesen. Die Untersuchungen sind wichtig, um Komplikationen zu vermeiden und evtl. die nachfolgende Therapie anders zu dosieren. Bei sehr niedrigen Leukozytenwerten kann es sinnvoll sein, bereits bei leichten Infekten mit einer antibiotischen Therapie zu beginnen. Bei Abfall der Granulozyten/Neutrophilen unter einem absoluten Wert von 500/µl ist die prophylaktische Gabe eines Breitband-Antibiotikums (z.B. Ciprofloxacin 2x500mg) indiziert. Zu beachten ist, dass die Regenerationsfähigkeit der Haut nach einer Chemo- oder Strahlentherapie eingeschränkt sein kann. Intensive Sonneneinstrahlung und Solarien sollten eine gewisse Zeit gemieden werden. Darüber hinaus kann die Haut durch zu häufiges Wa-schen mit Seife geschädigt werden.

Blutarmut, Bluttransfusionen

Eine Blutarmut ist bei einer Krebserkrankung eine relativ häufige Begleiterscheinung. In den meisten Fällen liegt hier kein Eisenmangel zugrunde, es ist manchmal sogar zu viel Eisen im Körper vorhanden. Durch die Erkrankung ist der Körper allerdings nicht in der Lage, das Eisen optimal zu verwerten und in das Blut einzubauen. Die Einnahme von zusätzlichen Eisentabletten ist dann nicht sinnvoll. Das Blut regeneriert sich nach einer Behandlung. In manchen Fällen kann allerdings eine Bluttransfusion erforderlich sein, um das Befinden und die Leistungsfähigkeit zu verbessern, oder um Komplikationen zu vermeiden. Das Risiko, dass durch die Bluttransfusion Infektionskrankheiten übertragen werden, ist durch intensive Voruntersuchungen heute sehr gering. Nutzen und Risiko einer Bluttransfusion müssen natürlich in jedem Einzelfalle sorgfältig abgewogen werden. Zur Vermeidung einer Bluttransfusion kann in besonderen Fällen heute der Einsatz von Erythropoeitin erfolgen. Erythropoeitin. ist ein Gewebshormon, welches normalerweise in der Niere gebildet wird und zur Blutbildung, insbesondere der Erythrozyten erforderlich ist. In höheren Dosierungen kann während einer Chemotherapie oder bei bestimmten Erkrankungen hiermit die Blutbildung verbessert werden. Da diese Therapie sehr teuer ist, kann sie allerdings nur in Fällen angewandt werden, in denen eine hohe Aussicht auf Erfolg dieser Therapie besteht, d. h. es muss das Ziel sein, Transfusionen möglichst ganz zu vermeiden.

Alternative Methoden
Fast jeden Tag kommen Informationen und Fragen zu neuen Außenseitermethoden, so dass es ganz unmöglich ist, auf alle einzugehen. Bitte fragen Sie uns in besonderen Fällen danach. Wir sind Ihnen ebenso dankbar, wenn Sie uns Texte über Außenseiterverfahren überlassen können.

Während viele Verfahren unkalkulierbare Risiken beinhalten, obwohl die unmittelbare Anwendung oft große Nebenwirkung ist, gibt es doch biologische Möglichkeiten, deren Anwendung in bestimmten Situationen unbedenklich ist.

Hier noch einige Tipps zur Selbsthilfe.

bei Appetitstörung
  • ein Stückchen Traubenzucker vor der Mahlzeit
  • ein kleines Glas Portwein vor dem Mittag- oder Abendessen

bei rascher Sättigung (Völlegefühl)
  • kleine Mahlzeiten (ca. alle 3 Std.) über den Tag verteilt
  • vor dem Essen nicht trinken (Ausnahme, ein kl. Glas Portwein evtl. zur Appetitanregung)
  • nur wenig Flüssigkeit während der Mahlzeiten zu sich nehmen
  • die Flüssigkeiten (mindestens 1,5 bis 2 Liter pro Tag) zwischen den Mahlzeiten trinken

bei Kau- und Schluckstörungen
  • beim Brot die Kruste abschneiden
  • harte Nahrungsmittel wie Gemüse pürieren
  • zubereitete Speisen abkühlen lassen
  • immer wieder zwischendurch etwas trinken und den Mund spülen, evtl. mit Strohhalm trinken
  • säurehaltige Nahrungsmittel vermeiden, wie z.B. Essig, Obstsäfte, Zitrusfrüchte
  • hoch kalorische Trinknahrungen bevorzugen

bei Erbrechen
  • trockene Nahrungsmittel, wie Zwieback, Knäckebrot, altbackene Semmeln knabbern
  • auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten in Form von Tee, gesalzener Fleisch- oder Gemüsebrühe, fettfreier Bouillon, Mineralwasser ohne Kohlensäure, Cola-Getränken
  • kalte Getränke sind oftmals besser verträglich als warme!

bei Durchfall
  • reichlich Flüssigkeit trinken, z.B. schwarzen Tee, gesalzene Brühe mit etwas Hafer- oder Hefeflocken angedickt, Mineralwasser ohne Kohlensäure
  • akuter Durchfall: Nahrungsmittel verzehren, wie reife Banane, Reis, Apfel (am besten frisch gerapselt)
  • chronischer Durchfall: ein Minimum an Fett verwenden, leicht verdauliche Fette bevorzugen, MCT-Fette, Margarine, kaltgeschlagenes Öl
  • nach Rücksprache mit Ihrem Arzt rechtzeitig bei starkem massivem Durchfall verstopfende Medikamente wie z.B. Loperamid/Imodium oder gar Opiattropfen einnehmen.

bei Verstopfung
  • ein Glas Wasser auf nüchternen Magen gleich morgens nach dem Aufstehen
  • frisches Gemüse und reichlich Salat essen
  • Vollkornbrot und Getreideprodukte (Müsli) essen
  • geeignete Getränke, wie Pflaumensaft, Traubensaft, Orangensaft, frischen Most trinken

Was tun,
wenn es zu Hause im Rahmen einer Tumorerkrankung zu akuten gesundheitlichen Problemen kommt?

Dann rufen Sie uns an! Als unser/e Patient/in erhalten Sie eine Mobilfunknummer, unter der Sie uns 24 Stunden am Tag erreichen können.
Für Notfälle allgemeiner Art steht die Ärztliche Notfallpraxis im Siloah St. Trudpert Klinikum und Klinikum Pforzheim zur Verfügung.
Sie ist unter der Nummer: 07231  498-0 bzw. 07231  969-0 zu erreichen.

Sollten Sie außerhalb der Öffnungszeiten eine Apotheke benötigen, so können Sie über das Aponet und die Eingabe Ihrer Postleitzahl eine Bereitschaftsapotheke in Ihrer Nähe ausfindig machen. www.aponet.de
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